von agrathaer
Mut zu Matsch: Ein Lehmofen für selbstgemachten, nachhaltigen Genuss
Was wir essen, hatte Auswirkungen – auf unsere Gesundheit, das Klima und die biologische Vielfalt. Mit dem Projekt „Mut zum Matsch“ hatte die Umweltbildungsstätte Waldhaus Blankenfelde Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit gegeben, diese Zusammenhänge ganz praktisch zu entdecken.
Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass viele Kinder und Jugendliche zunehmend mit stark verarbeiteten Lebensmitteln und nicht saisonalen oder regionalen Zutaten aufwuchsen. Wissen über die Herkunft, Saisonalität und den Anbau von Lebensmitteln wie Getreide, Obst und Gemüse sowie praktische Fähigkeiten bei deren Zubereitung waren weniger selbstverständlich. Das Projekt setzte hier an und stärkte die Ernährungskompetenz der Teilnehmenden – vom Bau eines Lehmofens bis zum gemeinsamen Kochen und Backen.
Vom Lehm zum Lehmofen
Zu Beginn bauten interessierte Jugendliche aus der Gemeinde gemeinsam einen Lehmofen. Beim Stampfen und Formen des Lehms lernten sie die Grundlagen der traditionellen und nachhaltigen Lehmbauweise kennen. Nach seiner Einweihung wurde der Lehmofen regelmäßig für Picknicks von Kita- und Schulgruppen genutzt.
Die Kinder und Jugendlichen wurden dabei selbst aktiv: Sie bereiteten kleine Pizzen und Flammkuchen aus regionalen und biologischen Zutaten zu und backten diese anschließend im selbstgebauten Ofen. So wurde unmittelbar erlebbar, wie aus einzelnen Zutaten und gemeinsamer Arbeit eine Mahlzeit entstand.
Lebensmittel neu entdecken
Neben dem gemeinsamen Kochen und Backen lernten die Teilnehmenden die Vielfalt von Getreide, Gemüse und Obst kennen. Heimische Sorten wurden verkostet, Lebensmittel verarbeitet und mit Kräutern und Wildkräutern gewürzt. Workshops beschäftigten sich mit der Herkunft und Saisonalität von Lebensmitteln sowie mit den globalen Auswirkungen von Konsum- und Ernährungsentscheidungen.
Auch die eigenen Gewohnheiten wurden kritisch betrachtet. Beim „Klimafrühstück“ oder der Zubereitung eines nachhaltigen Picknicks konnten die Kinder und Jugendlichen ihre eigene Brotbox unter die Lupe nehmen und sich mit der Frage auseinandersetzen, wie sich leckere, gesunde und nachhaltige Mahlzeiten gestalten ließen.
Gemeinsam genießen und über den Tellerrand schauen
Das Projekt verband praktische Ernährungsbildung mit kultureller Offenheit und Gemeinschaft. Bei Kochaktionen mit typischen Rezepten aus den Familien der Teilnehmenden wurde der Frage nachgegangen: „Wie schmeckt die Welt?“ Auch beim gemeinsamen Einkauf wurde thematisiert, welche Auswirkungen die eigene Kaufentscheidung hatte und wie Ernährung mit der globalen Welt verbunden war.
Auf diese Weise erfuhren die Kinder und Jugendlichen, dass Essen weit mehr als reine Ernährung war. Es bot auch Möglichkeiten, sich mit Klimaschutz, Umweltschutz, biologischer Vielfalt und globaler Gerechtigkeit auseinanderzusetzen.
Fotos: Dr. Mareike Conrad, Pite Jordan, Dr. Kristin Jansen